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ZeitGeist - Das Magazin der Egerner Höfe | Ausgabe 1/2015

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Kennen Sie schon ... Die Sage zur Gründung des Kloster Tegernsee Die beiden Brüder Oatkar und Adalbert, die dem altbayerischen Adelsclan der Huosi angehörten, gründeten im Jahr 746 ein Benediktinerkloster in Tegernsee. Dieser Teil der Geschichte dürfte den meisten Einheimischen bekannt sein. Doch es gibt auch eine Sage, die sich mit der Gründung des Klosters beschäftigt – historisch zwar nicht lückenlos belegt, aber dennoch wird ihr ein hoher Wahrheitsgehalt nachgesagt. Ein tragischer Todesfall soll die beiden Brüder zur Klostergründung bewogen haben. Ereignet hatte sich dieser seinerzeit in Frankreich. Die beiden fürstlichen Brüder Oatkar und Adalbert aus dem Herzogsgeschlecht der Agilolfinger lebten mit ihren Familien am Hofe des Königs Pippin (714–768 n. Chr.) im damaligen Frankenreich. Die Sage berichtet, dass der Sohn des Frankenkönigs Pippin den Sohn Oatkars beim Schachspiel im Jähzorn mit dem Schachbrett erschlug. Pippin fürchtete die Rache der mächtigen und in Bayern und Burgund reich begüterten fürstlichen Brüder. Vorerst war die schreckliche Bluttat aber weder am Königshof noch Oatkar, dem Vater, bekannt geworden. Daher rief der König einige Fürsten, darunter auch Oatkar, zusammen und fragte sie mit einiger List: »Was ist eure Meinung: Wie soll man einem Übel begegnen, dem man in keinem Fall abhelfen kann« Alle, auch Oatkar sagten: »Ein solches Übel muss man mit Gleichmut ertragen.« Jetzt erst berichtete Pippin den traurigen Vorfall. Der unglückliche Vater schwieg in Schmerz und Trauer. Er wollte mit seinem Bruder Adalbert für immer der Welt entsagen. Daher verließen die beiden Fürsten den französischen Hof und gründeten ein Kloster am tegarin-seo (Großer See), wie der Tegernsee bis zum Jahr 1.000 n. Chr. in altdeutscher Sprache genannt wurde. Dort suchten sie sich eine der schönsten und sonnigsten Uferstellen für ihr Vorhaben aus. Die fürstlichen Gründer übertrugen dem Kloster Tegernsee ihre reichen Besitztümer, die bis weit hinaus ins Unterland bis über den Ammersee reichten und den Grundstock für den großen Landbesitz des Stiftes bildeten. Beide Brüder traten selber in das Kloster als Mönche ein. Dabei wurde Adalbert der erste Abt von Tegernsee. Die ersten Klosterbrüder, die nach der Regel des Heiligen Benediktus lebten, wurden eigens aus Sankt Gallen berufen. Um für die neuzuerbauende Klosterkirche die Reliquien eines großen Heiligen zu erlangen, pilgerten die beiden Brüder 756 nach Rom. Die ewige Stadt wurde bei ihrer Ankunft gerade von heidnischen Seeräubern bedroht. Noch einmal griffen Oatkar und Adalbert mit ihren schwerbewaffneten Begleitern zum ritterlichen Kriegshandwerk. Sie halfen den Römern und besiegten die Seeräuber. Die Überlieferung besagt, dass der Papst den Brüdern aus Dankbarkeit die Gebeine des Heiligen Quirinus versprach. Quirinus war ein römischer Kaisersohn gewesen, der in früheren Jahrhunderten wegen seines Glaubens den Märtyrertod durch das Schwert erlitten hatte. Uto, der Neffe der beiden Klostergründer, durfte dann die vom römischen Volk hochverehrten Reliquien heimlich abholen und über die Alpen bringen. In der letzten Nacht vor der feierlichen Übertragung der Gebeine nach Tegernsee machte Uto auf dem Platz der heutigen Kapelle von St. Quirin ein letztes Mal Halt. Da, wo der Leib des Heiligen geruht hatte, entsprang zum Segen des ganzen Tales die heilkräftige Quirinusquelle. Das uralte, schöne Wappen von Tegernsee hat neben zwei Seeblättern auch drei Kronen. Diese weisen wohl auf die zwei fürstlichen Gründer und auf den römischen Kaisersohn St. Quirinus hin. Das Tegernseer Kloster erlebte über die folgenden Jahrhunderte sowohl Zeiten der Blüte, als auch Phasen der Bedrohung. Erst im Jahr 1803 läutete die Säkularisierung das Ende der Klosterzeit ein. 1810 verstarb mit Gregor Rottenkolber der letzte Abt des Klosters. 22 23

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